Wir kannten uns nicht. Ich saß mit einem Kaffee auf den Stufen und rechnete auf einem Bierdeckel aus, was ein Gefriertrockner an Strom frisst. Tarek setzte sich dazu und sagte: Du rechnest falsch herum - rechne mit dem Wind, nicht gegen ihn.
Vier Stunden später hatten wir ein Geschäftsmodell. Heute trocknen wir Süßkartoffel, Heidelbeere und Kräuter aus einem Umkreis von vierzig Kilometern und verschiffen das Pulver über Hamburg. Dass hier seit Jahrzehnten jemand Trocknungstechnik beherrscht, war unser Startvorteil. Wir mussten das Rad nicht erfinden, nur eine Stufe weiterdrehen.
In Uelzen ist Dir alles möglich.
Wenn Du es willst. So wie Henriette Praesent es wollte - zu einer Zeit, in der Frauen kaum etwas zugetraut wurde. Sie übernahm 1827 als Witwe ein Uelzener Handelshaus und führte es fast dreißig Jahre lang. Der Platz am Busbahnhof trägt jetzt ihren Namen. Und die Ansage, die daraus folgt.
Uelzen ist kein Ort, an dem man zufällig landet. Uelzen ist ein Ort, an dem man richtig durchstartet.
Aus der Rede zum Antrag im Rat der Hansestadt Uelzen
- Wenn Du wachsen willst, wächst Uelzen mit Dir.
- Karriere und Familie sind kein Widerspruch.
- Ambition ist nichts Negatives. Sie ist eine Tugend.
- Hier werden Kinder nicht begrenzt, sondern ermutigt.
Sieben Mal „Das ging hier“.
Der Platz trägt seinen Namen seit 2026. Hören wir denen zu, die sich dort getroffen haben: Zwischen 2032 und 2038 erzählen sie, was aus ihrer Idee geworden ist. Keine dieser Geschichten ist passiert. Jede könnte passieren - die Voraussetzungen dafür liegen alle schon hier.
Sieben erdachte Stimmen. Die Personen und Unternehmen auf dieser Seite gibt es noch nicht - sie erzählen, was auf Grundlage der realen Stärken dieser Region entstehen kann. Die Standortfaktoren weiter unten sind belegt.
Ich bin aus Hamburg zurückgekommen, weil meine Tochter eingeschult werden sollte und wir uns dort kein drittes Zimmer leisten konnten. Beruflich hielt ich das für einen Rückschritt - bis mir klar wurde, wo ich hier sitze.
Deutschland deckt nur einen Bruchteil seines Bedarfs an Arznei- und Gewürzpflanzen selbst. Wer Kamille in dokumentierter Qualität liefern kann, hat keine Absatzsorgen, sondern Wartelisten. Die ersten Verträge haben wir am Platz angebahnt, bei einer Gründerinnenrunde, die dort einmal im Monat stattfand.
Ich bin Informatiker und war eigentlich nur zu Besuch bei meinen Eltern. Auf dem Platz kam ich mit zwei Landwirten ins Gespräch, die sich über Strompreise für die Beregnung ärgerten. Ich habe das Problem verstanden, bevor ich den Markt verstanden hatte.
Wer Trocknung, Kühlung und Pumpen in die windstarken Stunden legt, spart nicht ein bisschen, sondern ein Viertel. Wir verkaufen diese Software heute in sechs Länder. Entwickelt wird sie weiterhin hier, zwölf Gehminuten vom Platz.
Wir haben in Suderburg Wasserbau studiert und wären früher nach Hannover gegangen, weil man dachte, hier gibt es nichts. Dabei liegt eine der größten Beregnungsregionen Deutschlands direkt vor der Tür.
Unsere erste Anlage haben wir auf einer Serviette am Henriette-Praesent-Platz skizziert: Sensorik, die einem Betrieb sagt, wann Wasser wirklich wirkt und wann es nur Strom kostet. Kunden haben wir inzwischen bis Brandenburg. Aber die Testfelder sind hier, weil es hier die Leute gibt, die seit dreißig Jahren wissen, wie man beregnet.
Mein Vater hat Weizen verkauft und der Börse zugeschaut. Ich verkaufe Spezifikationen. Das ist derselbe Acker und ein völlig anderes Geschäft.
Wir fraktionieren Kichererbse und Lupine zu Proteinmehlen für die Lebensmittelindustrie - Ware, die nicht am Weltmarkt hängt, sondern am Vertrag. Die Genossenschaft dazu haben wir mit elf Betrieben gegründet, und die erste Versammlung fand auf dem Platz statt, weil unser Besprechungsraum zu klein war. Ich fand das damals unpraktisch. Heute finde ich es passend.
Ich bin Maschinenbaumeisterin und hatte einen Betrieb mit sieben Leuten. Als drei Lebensmittelfirmen gleichzeitig Anlagen suchten, die es fertig nicht gab, war die Frage nicht mehr, ob wir wachsen, sondern wie schnell.
Wir bauen heute Sonderanlagen für Trocknung und Fraktionierung, für Kunden, die zu Fuß zu uns kommen könnten. Den Namen habe ich mit Absicht gewählt: Bütemeister war ihr Mädchenname. Mir gefiel der Gedanke, dass jemand, dem man nichts zugetraut hat, am Ende auf dem Firmenschild steht.
Ich war zwölf, als der Platz seinen Namen bekam. Meine Mutter hat mir die Tafel vorgelesen, und ich habe gefragt, warum da „Witwe“ steht und nicht ihr Name. Das hat mich nie wieder losgelassen.
Ich habe in Suderburg studiert und bin geblieben, weil hier die Betriebe sitzen, für die ich baue. Unsere Anlagen messen, wie viel Wärme aus einer Trocknung noch zu holen ist - meistens mehr, als die Leute denken. Wenn heute Schulklassen zu uns kommen, erzähle ich ihnen dieselbe Geschichte, die mir damals vorgelesen wurde.
Die ersten beiden Zahlen gehören zum Zukunftsbild. Real ist die Gewerbefläche, auf der die Erzählung aufsetzt.
Man zieht nicht wegen einer Stelle um. Man zieht wegen der Kinder um.
Familien entscheiden anders als Arbeitsmärkte. Sie fragen nicht zuerst nach dem Gehalt, sondern danach, was aus ihren Kindern hier werden kann - und ob sie selbst noch etwas werden können. Auf beide Fragen soll Uelzen dieselbe Antwort geben wie 1827: Ja, wenn Du willst.
Welche Zukunft wünsche ich mir für meine Kinder?
Ein Ort, an dem Kinder stehen und denken: Wenn sie es geschafft hat - dann kann ich das auch.
Ein Vorbild, das man erklären kann
Kindern muss man Zukunft zeigen, nicht erklären. Eine Frau, die mit fünf Kindern und ohne Ausbildung ein Unternehmen aufbaute, ist eine Geschichte, die ein Zehnjähriger versteht - und behält.
Wege, die hier weitergehen
Berufsschulcampus, Hochschulanbindung in Suderburg, ein gewachsenes Cluster aus Ernährungswirtschaft, Energie und Technik: Ausbildung, Studium und der erste gute Job müssen nicht in drei verschiedenen Städten stattfinden.
Platz, der bezahlbar bleibt
Ein Garten statt eines Balkons, ein Schulweg statt einer Fahrkarte, Hamburg und Hannover in Reichweite, wenn man sie braucht. Was in der Metropole Verzicht kostet, ist hier Normalzustand.
Und für die Eltern selbst
Wer eine Idee hat, findet hier kurze Wege zu denen, die sie mittragen können: zu Betrieben, zur Verwaltung, zu Kapital, zu Flächen. In großen Städten braucht man dafür ein Netzwerk. Hier braucht man einen Nachmittag.
Was Henriette Praesent hatte, hat Uelzen immer noch.
Sie machte aus schwierigen Voraussetzungen ein Geschäft: leichte Böden, eine kleine Landstadt, wenig Fernhandel. Was sie nutzte, war das, was da war - die Region, ihre Rohstoffe und den Weg nach draußen. Diese Rechnung geht heute wieder auf, nur mit anderen Zahlen.
Wasser, das man steuern kann
Uelzen, Lüneburg und Gifhorn bilden eine der größten zusammenhängenden Beregnungsregionen Deutschlands. Der weit überwiegende Teil der Ackerflächen im Landkreis liegt unter Beregnung - kein Zufall, sondern ein über Jahrzehnte gebautes System aus Wasserrechten, Verbänden und Erfahrung. Das bedeutet Liefersicherheit auch im Trockenjahr.
Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände UelzenGrüne Energie im Überfluss
Der Ausbau der Windkraft schafft in der Region wachsende Erzeugungsspitzen. Wer energieintensiv arbeitet - trocknen, kühlen, extrahieren - und seine Prozesse in windstarke Stunden legen kann, macht aus schwankendem Angebot einen harten Kostenvorteil.
Landkreis Uelzen, Ausbaustand WindenergieDer kurze Weg zur Welt
Der Elbe-Seitenkanal verbindet die Region auf 115 Kilometern mit der Elbe bei Artlenburg und damit mit dem Hafen Hamburg. Über die Schleuse Uelzen läuft der gesamte Güterverkehr der Wasserstraße - der Weg zu den Wachstumsmärkten beginnt vor der Haustür.
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des BundesEin Cluster, das schon steht
Zuckerfabrik, Molkereigenossenschaft mit Sprüh- und Lohntrocknung, Speiseeisproduktion, Saatzucht, Bio-Mühle, Demeter-Verarbeiter: Lebensmittelveredelung im großen Maßstab funktioniert hier seit Jahrzehnten - mit Fachkräften, Zulieferern und eingespielter Genehmigungspraxis.
Ansässige Betriebe im Landkreis UelzenFläche, die frei wird
Ab 2027 stehen rund 15 Hektar neue Gewerbefläche in Holdenstedt bereit, bis 2029 insgesamt rund 90 Hektar. Hinzu kommt das rund 100 Hektar große, trimodal angebundene Areal am Hafen. Nicht irgendeine Fläche - Fläche mit Gleis, Kanal und Straße.
Antrag zur Wirtschafts- und Innovationsagentur UelzenLeben und Arbeiten im Grünen
Nah genug an Hamburg und Hannover, weit genug entfernt: bezahlbarer Wohnraum, kurze Wege, Berufsschulcampus, Hochschulanbindung in Suderburg. Das Argument, das Fachkräfte am Ende überzeugt, ist selten das Gehalt. Es ist der Feierabend.
Hansestadt Uelzen, Landkreis UelzenEine Kauffrau, die niemand gefragt hat, ob sie darf.
Auguste Henriette Praesent, geborene Bütemeister, war keine Adelige, keine Patrizierin, keine gebildete Dame. Sie war eine bürgerliche, praktische, zupackende Frau - und stand fast drei Jahrzehnte lang an der Spitze eines Landhandelsunternehmens, das weit über Uelzen hinaus wirkte.
Am 2. April in Gandersheim geboren, als Tochter einer Kaufmannsfamilie. Eine weitergehende Schul- oder Berufsausbildung hat sie nach dem Forschungsstand nicht erhalten - Mädchenbildung war zu dieser Zeit die Ausnahme.
Mit 21 heiratet sie in Burgdorf den Uelzener Kaufmann Christian Praesent. Kaufmannsfamilien sind damals Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft zugleich: Sie führt Haushalt und Kontor nebeneinander.
Neun Kinder. Vier sterben als Säuglinge oder Kleinkinder. Fünf wachsen auf: Georg, Johanne, August, Elise und Betty.
Das Ehepaar erwirbt zwei Häuser am Markt. Dort entsteht ein neues Geschäfts- und Wohnhaus.
Der große Stadtbrand beschädigt das Haus schwer. Es wird neu errichtet - mit einem Manufakturladen, den sie persönlich führt.
Ihr Mann stirbt mit 52 Jahren. Sie ist 45 und übernimmt als alleinige Inhaberin. In der Todesanzeige kündigt sie im selben Atemzug an, dass sie weitermacht. Möglich ist ihr das durch das Witwenprivileg der Uelzener Kaufmannschaft, im Amtsbrief von 1711 ausdrücklich bestätigt.
Als in Uelzen eine Legge zur Leinenprüfung eingerichtet werden soll, bietet sie sofort Räume dafür an - sie rechnet sich Geschäftsvorteile aus. Das Angebot wird nicht angenommen. Das Gespür bleibt aktenkundig.
Sie erwirbt Grundbesitz und erweitert den Manufakturwarenhandel auf dem wachsenden Flachsanbau der Region. 1852 leben siebzehn Personen im Haus an der Gudesstraße: Familie, zwei Büroangestellte, drei Lehrlinge, Mägde, ein Knecht. Der Betrieb wächst sichtbar.
Ihr ältester Sohn verunglückt tödlich bei einem Arbeitsunfall. Sie führt das Unternehmen weiter.
Das Unternehmen wird auf der Industrieausstellung in München für die Qualität seiner Garne und Leinen ausgezeichnet. Uelzener Ware, überregional anerkannt.
Sie stirbt am 30. März, kurz vor ihrem 74. Geburtstag. Das Fundament trägt weiter: Die Firma besteht bis 1991 - fast zweihundert Jahre. Geführt wurde sie in dieser Zeit mehrfach von Frauen.
Die Hansestadt Uelzen erhält ihretwegen im September einen frauenORT - eine Initiative des Landesfrauenrates Niedersachsen. Im Juli desselben Jahres bestanden landesweit 45 solcher Orte.
Zugleich verbinde ich hiermit die Anzeige, dass ich das bisher geführte Flachs- und Leinengeschäft fernerhin fortsetze.
Aus der Todesanzeige ihres Mannes, 8. Juni 1827 - gezeichnet: J. C. Praesent Witwe
Der Name, der sie versteckte
Das Unternehmen firmierte unter dem Namen ihres verstorbenen Mannes. Hinter der unscheinbaren Abkürzung verbarg sich die Frau, die es fast dreißig Jahre lang führte. 1865 wurde genau dieser Name ins Handelsregister eingetragen. Der Platz macht aus der Abkürzung wieder einen Namen.
Joh. Chr. Praesent Wwe.Warum eine Ausnahme möglich ist
Uelzen benennt Straßen und Plätze grundsätzlich nicht mehr nach Personen - aus guten Gründen, um spätere historische Belastungen zu vermeiden. Henriette Praesent lebte von 1782 bis 1856, also vor allen Zeitabschnitten, die regelmäßig zu nachträglicher Aberkennung geführt haben. Und ein nicht adressrelevanter Zusatzname greift ohnehin nicht in das Melderecht ein.
Bei vielen Gelegenheiten fand ich, dass die Frauen in diesem Land intelligenter sind als die Männer. Sie sind die großen Organisatorinnen.
Thomas Hodgskin, schottischer Reisender, über die Frauen Norddeutschlands, zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Wer in Uelzen ankommt, kommt hier an.
Der Busbahnhof am Rathaus ist kein hübscher Nebenplatz. Er ist die Schwelle: Schülerinnen, Pendler, Besucherinnen, Zugezogene - fast alle betreten die Stadt zum ersten Mal über diesen Ort. Genau deshalb steht hier der Name.
Ein Zusatzname, keine Umbenennung
Der Zusatzname folgt dem Vorbild des Platzes der Kinderrechte: Er macht sichtbar, wofür die Stadt steht, ohne dass eine einzige Adresse geändert werden muss. Kein Umzug von Briefkästen, keine neuen Ausweise, keine Kosten für Anwohnerinnen und Gewerbetreibende. Nur ein Name, der etwas erzählt.
Und ein Name ist erst der Anfang. Aus dem Platz soll ein Ort werden, an dem diese Geschichte auch verhandelt wird - und an dem man sich verabredet, wenn man eine Idee hat und jemanden sucht, der sie mitträgt.
Henriette-Praesent-Platz
Busbahnhof am Rathaus, Herzogenplatz, 29525 Uelzen. 52,9623° N · 10,5580° O
Gudesstraße 1
Sitz des Unternehmens „Joh. Chr. Praesent Wwe.“. Hier lebten und arbeiteten 1852 siebzehn Menschen unter einem Dach.
Sichtbar machen
Infostelen am Platz und an der Gudesstraße, mit Zitaten aus den Originaldokumenten und QR-Codes zu Kurzfilmen über ihr Leben.
Weitergeben
Kooperation mit Schulen und Museum: Führungen auf ihren Spuren, Projekte in Geschichts- und Wirtschaftskunde.
Erlebbar machen
Eine Darstellerin bei Stadtfest, Hansefest und verkaufsoffenen Sonntagen - in historischer Kleidung, mit didaktischem Anspruch.
Auffindbar machen
In den Kartendiensten ist der Platz derzeit noch unter seiner bisherigen Bezeichnung eingetragen. Die Eintragung des Zusatznamens folgt.
Der Platz ist der Anfang, nicht das Ergebnis.
Ein Name allein schafft keine Arbeitsplätze. Aber er schafft einen Bezugspunkt - etwas, worauf man zeigen kann, wenn man erklärt, warum man sich hier etwas zutraut. Was daraus wird, entscheidet sich nicht am Schild, sondern an denen, die sich davor treffen.